Der Tor des Géants – einer der härtesten Ultratrails der Welt

Ein Rennen durch die Welt der Viertausender
Der Tor des Géants zählt zu den extremsten Ultratrail-Rennen Europas. Seit der Premiere im Jahr 2010 führt die Strecke durch die spektakuläre Bergwelt des Aostatals – vorbei an den vier berühmten Viertausendern Mont Blanc, Gran Paradiso, Monte Rosa und Matterhorn.

Die Strecke

337 Kilometer – eine einzige gewaltige Etappe
Das Besondere am Tor des Géants ist sein Format. Die 337 Kilometer bilden eine einzige, ununterbrochene Etappe. Für die gesamte Strecke stehen maximal 150 Stunden zur Verfügung – von Sonntagmittag (13. September) bis Samstagabend (19. September). Dazwischen liegen mehr als 26.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg sowie 25 Bergpässe auf bis zu 3.100 Metern Höhe.

Die Strecke ist wohl gut markiert und zusätzlich auf meiner Laufuhr gespeichert. Dennoch verlangt jeder Abschnitt höchste Konzentration. Das Wetter kann innerhalb weniger Stunden von spätsommerlicher Hitze zu winterlichen Bedingungen wechseln. Mitte September ist auf den höchsten Pässen stets auch Schneefall möglich. Deshalb ist umfangreiche Pflichtausrüstung vorgeschrieben – von Sonnenschutz über Notfallausrüstung bis hin zu Steigeisen.

Unterwegs im einsamen Hochgebirge
Etwa alle zehn Kilometer befinden sich Verpflegungsstationen. Das klingt zunächst komfortabel. Im Hochgebirge können zehn Kilometer jedoch vier oder sogar fünf Stunden dauern. Zumal beim Anstieg angesichts dieser Distanz gegangen wird. Deshalb muss jeder Läufer jederzeit genügend Getränke und Verpflegung im Rucksack mitführen. Regelmäßiges Essen und Trinken, gerade auch, wenn einem gar nicht danach ist, entscheidet oft darüber, ob ein Rennen erfolgreich beendet werden kann.

Wann schläfst du dort eigentlich?
Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt werden! Die Antwort ist einfach und kompliziert zugleich. Schlaf ist unverzichtbar – aber Zeit dafür gibt es nur wenig. Zu Beginn eines Rennens ist man meist noch voller Adrenalin. Später werden kurze Schlafpausen immer wichtiger, um Konzentration und Orientierung zu behalten. Wer zu lange wach bleibt, riskiert Halluzinationen oder folgenschwere Fehler. Geschlafen werden darf an mehreren Hütten und Basisstationen, allerdings laut Reglement jeweils höchstens zwei Stunden. Gleichzeitig läuft die Uhr ständig weiter: An zahlreichen Kontrollpunkten müssen vorgegebene Cut-off-Zeiten eingehalten werden.

Die Life Bases – Orte zum Auftanken
Alle 55 bis 60 Kilometer erreicht man eine der sechs Life Bases. Dort wartet der persönliche Kleidersack mit Wechselkleidung und Ersatzmaterial. Hier kann man duschen, warm essen, die Stirnlampen, Uhr und das Handy laden, kurz schlafen und die Ausrüstung an die Bedingungen des nächsten Streckenabschnitts anpassen.

Für mich ist vieles Neuland. Meine bisher längsten Rennen führten über maximal 171 Kilometer und dauerten knapp 30 Stunden – ohne Schlaf. Der Tor des Géants stellt deshalb noch einmal eine völlig neue Dimension dar.

Und trotzdem – oder gerade deshalb – übt dieses expeditionsartige Rennen auf mich eine ganz besondere Faszination aus.