14.9.2026
Tag 2 TdG Grüße von Klasse 12 der Mon Devoir Schule an uns Läufer
Das Rennen ist vorbei!

Liebe Freundinnen, Unterstützer und Interessierte
Leider hat es nicht sollen sein! Dabei war ich mit riesigem Optimismus bei bestem Wetter am Sonntag, 13. September, zusammen mit Robert und Hennes gestartet. Ich fühlte mich bestens vorbereitet – die Ausrüstung war in die Taschen verteilt, ich hatte geübt, wie und wo ich sofort alles finde, bin nachts mit Taschenlampen Probe gelaufen etc.. Die Strecke war im Kopf verankert, die Beine stark, die Stimmung toll! Die ersten Anstiege waren knackig, landschaftlich herrlich, mit dem Mont Blanc im Rücken.
Insgesamt sieben Bergpässe über 2.500m Höhe, die beiden letzten mit 3.000 und 3.300 Metern hatte ich bewältigt. Ich kam immer besser ins Rennen, schob mich langsam nach vorne, hatte einen gleichmäßigen Rhythmus und war glücklich. Eine ganze Nacht und wieder ein ganzer Tag lagen hinter mir, 107.5 km weit und 8.125 Höhenmeter hoch, 7.828m hinab.
Doch bereits am fünften Abstieg vom Col de Fenêtre bemerkte ich einen zunehmenden Schmerz am rechten Schienbein. Bergab wurde das Stechen schlimmer. An einer VP im Tal steuerte ich direkt ins Zelt der medizinischen Betreuung – leider war dort nur ein Pfleger, ohne jegliche Medis oder Behandlungsmöglichkeiten. So machte ich mich mit einer Dosis Ibuprofen und stetig nachlassender Zuversicht noch auf den längsten Anstieg, die 1.700 Höhenmeter zum Col de Loson, gleichsam mit 3.300m der höchste Punkt des Rennens. Nun begann der Schmerz auch bergauf mich zu behindern. Nach fünf Stunden – mein Tempo ließ stark nach – erreichte ich den Col. Immerhin durfte ich noch einmal den fernen Blick auf die Monte Rosa Gruppe genießen, bevor es auf ausgesetzten Schotterpfaden 1.800 Höhenmeter und fast vier Stunden lang hinab ins Tal ging. Mit jedem Schritt konnte ich schlechter auftreten, es war nur mehr ein Humpeln und Stolpern, gestützt auf meine Stöcke.
Natürlich war da längst klar, dass ich mit diesem Bein keine weiteren 200 km, geschweige denn 20.000 Höhenmeter auf wie ab, bewältigen könnte. Nie zuvor hatte mich in einem meiner 177 Marathons oder Ultras in 25 Jahren eine schleichende Verletzung zum Aufgeben gezwungen – warum ausgerechnet jetzt?! Und das nach all den schönen Medienvorberichten, durch welche ich meinen Spendenlauf bekannter machen wollte!? Wie peinlich! Nach 10 Monaten intensiven Trainings, wochenlanger Fokussierung und optimaler Vorbereitung!?
Schon lange habe ich mich nicht mehr so elend gefühlt wie in diesem Abstieg – ich wusste am Ende nicht was mehr schmerzte, mein Schienbein oder mein Inneres! Und doch trat auch eine Spur Erleichterung ein, als ich klar und bestimmt bei der nächtlichen Ankunft in Cogne meinen Ausstieg aus dem Rennen deklarierte, auf das ich so lange hingefiebert hatte (Foto im Anhang zeigt Einlauf dort).
Was in den Tagen danach passierte, hat mich schlichtweg überwältigt. Ihr habt mir so viele aufmunternde, bestätigende und hilfreiche Worte gesandt – das hätte ich, der ich mich zunächst mehr als Versager fühlte, niemals erwartet. Dafür kann ich mich nicht genug bedanken! Ein großer Trost – und dafür sind ebenfalls viele von Euch verantwortlich – sind die unglaublich großzügigen Spenden, die Ihr für die Mon Devoir Schule in Togo überwiesen habt. Bereits 14.000.- sind eingegangen, von 116 verschiedenen Menschen/ Paaren/ Familien. Ganz herzlichen Dank hierfür!!!! Das hilft mehr als ein Jahr lang, allen 1.000 Schülerinnen und Schülern durch Stipendien Bildung zu ermöglichen – irre!
Ich bekam übrigens während des Rennens ein ganz herziges Video mit einer Grußbotschaft der 12. Klasse vom Deutschlehrer zugesandt – den 13-Sekunden-Clip findet Ihr hier und ich hab ihn unten angehängt:
https://runfortogo.de/albrecht-337km/albrecht-laeuft-aktuelle-berichte-fotos/
An diesem Ort sind ab jetzt auch einige meiner Fotos von unterwegs für Euch zugänglich.
Einige von Euch wollten erst einmal abwarten, wie ich laufe, bevor sie spenden – auf der Seite oben ist weiter der Link aufgeschaltet. Ich bin voller Hoffnung, dass der eine oder die andere von Euch trotz meines verletzungsbedingten DNF (Fachbegriff für Did Not Finish) noch daran denken – bis 30. September lassen wir das Projekt ausklingen. Ich habe, das dürft Ihr mir glauben, wirklich alles gegeben, um mein läuferisches Ziel zu erreichen – aber manchmal gibt es einfach höhere Mächte, die unsere menschlichen Ambitionen begrenzen. Und ich denke, das ist gut so! Auch wenn es mich schwer getroffen hat. Aber – wie ein großer Frankfurter Fußball-Philosoph einst sagte – Läbbe muss weitergehn!
Für mich steht nun erst einmal eine Pause an, ich habe fast tägliche Mediziner- und Physio-Termine. Die Ursachen der Entzündung könnten in den Gefäßen liegen, das Bein ist weiter geschwollen und tut etwas weh. Danach folgt erfreulicherweise unser Jahresurlaub in sonnigen Gefilden, der uns „natürlich“ nach Afrika führen wird. Darauf freue ich mich jetzt. Läuferische Ziele habe ich gerade keine, die werden aber wieder kommen, wenn ich dazu bereit bin.
Es bleiben trotz des kurzen Eindrucks, den ich vom Tor des Géants bekam, Bilder und Impressionen, die ich mit Sicherheit in mir behalten darf. Einige der Schnappschüsse und bewegten Bilder hat mein lieber junger und medienaffiner Nachbar Bene(dikt) Glatz in vielen kurzen Filmchen zusammengefasst, die Ihr auch ohne Insta-Nutzer/innen zu sein, hier anschauen könnt:
https://runfortogo.de/albrecht-337km/instagram/
Bene war sozusagen mein (Social) Media-Manager und Kontaktmann Nr. 1 in die Heimat. Rudi Raschke half mir in der Medienarbeit weiter – merci auch Dir, Rudi. Ein großes Dankeschön geht an Matthias Güldenpfennig, der unsere Webseite für mich managte, sowie an Birgit Kimmig, Renate Würthwein und Jörg Scharpff vom Verein Mon Devoir. Und natürlich an meine sensationell guten Laufkameraden, Hennes Vollmer und Robert Rilk, die mich ins herrliche Aostatal begleiteten, mit mir starteten und die es beide ins Ziel schafften – Chapeau!!!! 38% schieden so wie ich leider aus, 10% traten erst gar nicht an. Lediglich 690 von 1230 Gemeldeten erreichten bis Samstagabend das Ziel in Courmayeur. So bin ich in bester Gesellschaft.
Ein weiteres Dankeschön richte ich an Kirsten, meine Frau, die es in den letzten Monaten nicht immer leicht hatte mit Ihrem so sehr auf dieses Projekt fokussierten Mann. Und an alle, die mir vor und nach dem Lauf so viel Mut und Trost zugesprochen haben.
Bleibt alle gesund – und denkt ab und zu gerne an Menschen, die es nicht so gut haben wie wir! In diesem Sinne grüße ich Euch alle ein letztes Mal
Euer Albrecht
14.9.2026 Tag 2
13.9. 2026 Start Tor des Géants
Die Tage im Aostatal vor dem 13.9.2026
11.9. 2026
Noch 2 Tage bis zum Start des TdG
Hier folgt mein letzter Bericht vor dem großen Rennen. Danach könnt ihr mich auf mehreren Kanälen ein bisschen verfolgen:
– Regelmäßige kurze Berichte und Filme, die mein engagierter Freund Bene für mich zusammenstellen wird. Auf dieser Seite unter „Insta“
– Radio Baden FM wird heute ein Interview und einen Podcast mit mir lancieren, sowie während des Rennens täglich etwas senden.
– Auf meinem WhatsApp Status
– Meine jeweilige Position (Eingabe Startnummer: 1305) und die von Hennes (564) erfahrt ihr auf der Seite https://live.torxtrail.com/
Seit zwei Tagen sind mein Laufpartner Hennes und ich nun im Aostatal. Im wunderhübschen Lillaz bei Cogne, auf fast 1700 Metern Höhe, wo wir voraussichtlich in drei Tagen wieder vorbeikommen werden, laufen die letzten Vorbereitungen.
Wir machen zwar inklusive Training, Anreise und Aufenthalt hier alles gemeinsam. Aber den Lauf muss jeder für sich alleine meistern. Zumal Hennes am Sonntag in Courmayeur, am Fuß des Monte Bianco, bereits in der ersten Welle um zehn Uhr starten darf – mit den Schnelleren. Schließlich ist er ja auch zehn Jahre jünger und eine absolute Bergziege
. Ich folge dann mit der zweiten Gruppe von sechshundert Läuferinnen und Läufern zwei Stunden später mit moderaterem Tempo.
Nach zwei steilen und einsamen Einlauftouren auf 2700m und 3050m fühlen wir uns beide gut aklimatisiert. Zumal wir im Sommer ja schon einige Male in den Alpen unterwegs waren. Die frische Luft hat so gut getan, dass wir abends nicht umhin konnten, zum wunderbaren Menü mit Aaostatäler Spezialitäten auch die passenden Weine zu genießen. Köstlich!!
Das Gepäck ist nun weitgehend gerichtet, aber packtechnisch fällt einem immer aufs Neue wieder etwas ein. Zeit, dass es losgeht!
Morgen Vormittag folgt der Transfer nach Courmayeur. Nach der Anmeldung geben wir das Gepäck für unterwegs ab. An jeder der sechs „Life Bases“ bekommen wir wieder Zugang zu unseren Sachen und werden Gelegenheit haben, unseren Körper etwas zu pflegen sowie ein Schläfchen einzulegen. Später folgt noch ein Briefing für alle Starter/innen und eine ordentliche Henkersmahlzeit
. Danach eine letzte ordentliche Nachtruhe – wenn die Aufregung nicht dazwischenfunkt.
Mit dem Wissen, dass seit heute bereits 10.000.- für die Kinder in Agoë-Zongo zusammenkamen, werde ich sicher beschwingt loslaufen am Sonntag. Und vielleicht sogar weitere Spender/innen animieren.
Gestern haben wir noch einmal viele Details der Strecke analysiert. Man kann sie grob in sieben Etappen unterteilen, mit je 35 bis 55km: Sie führt vom Start zu nacheinander 6 Life Bases und danach ins Ziel. Diese Unterteilung macht das gewaltige Unternehmen auch für uns etwas begreiflicher und zeigt vor allem auf, wo genau die Knackpunkte zu erwarten sind.
Den ersten kleinen Teil der Strecke kennen wir größtenteils, da er dem letztjährigen Grand Trail de Courmayeur entspricht, allerdings anders herum verläuft. Bis Montagmorgen werden wir voraussichtlich vier bis fünf hohe Bergpässe überwunden haben. Der sechste, extrem langgezogene Aufstieg wird uns auf den höchsten Punkt des Rennens führen – auf 3.300 m Höhe in den Gran Paradiso Nationalpark. Dies will ich unbedingt noch tagsüber meistern. Nach dem Pass geht es hinunter nach Cogne, wo wir uns derzeit akklimatisieren. Wenn alles gut läuft, rechne ich damit, am Montagabend diese 104 km zur Station 2 hinter mich gebracht zu haben.
Die nächste Nacht führt lange relativ sanft nach oben – einen Teil des Weges bin ich letztes Jahr gewandert. Bis zur dritten Station in Donnas folgt einer der angenehmsten Teile der Strecke – dies lässt zumindest das Landschaftsprofil vermuten. Die folgenden 54km nach Gressoney (Base 4) haben es dann wieder in sich. Sie weisen unzählige Bergpässe und brutale 5.000 Höhenmeter aus. Hier wird es viel Energie brauchen. Dafür belohnt der Abschnitt nach Valtournenche (5) hoffentlich mit dem Blick auf Monterosa und Matterhorn, sowie mit 33km und „nur“ 2.800 Höhenmetern. Im nördlichen Aostatal warten die 50km nach Ollomont (5) nochmals mit exakt 4.000 Höhenmetern auf.
Hat man diese sechste und letzte Life Base, hoffentlich nach einem guten power nap, hinter sich gelassen, kreuzt der Weg die Passstraße des Gr. St. Bernhard und führt über 50km und 3.300 Höhenmeter endlich zurück zum Mont Blanc ins Zentrum von Courmayeur. 17km vor dem Ziel wartet als letzte grosse Prüfung noch der fast 3.000m hoch gelegene Col Malatrà.
Dieses Ziel werde ich kaum vor Samstag, also nach 6 Tagen und 6 Nächten, erreichen, wenn ich es denn tatsächlich schaffe. Die beiden großen alpinen Wanderwege, denen der Tor des Géants weitgehend folgt, werden übrigens üblicherweise in zirka 30 Tagesetappen zurückgelegt.
Die Zuversicht ist in den letzten Wochen sukzessive gestiegen. Der Respekt vor diesem Abenteuer gleichsam auch.
Drückt mir bitte alle Daumen
!
8.9.2026
Noch 5 Tage bis zum Start des TdG
Bericht Schwarzwälder Bote, 8.9.26


4.9.2026
Noch 9 Tage bis zum Start des TdG! Wie geht sowas eigentlich?
Liebe Freunde, Unterstützerinnen und Interessierte
All den vielen Spender*innen, die schon vor dem Lauf „auf mich gesetzt haben“ und bereits 8.000 € für den Schulbesuch in Agoè-Zongo überwiesen haben, möchte ich hiermit ganz herzlich danken! Ihr seid Klasse! Die Spendenkurve ging zuletzt sensationell nach oben – fantastisch! Und noch haben alle ein paar Wochen Zeit für ihren Beitrag.
Über unsere Schule in Togo und die Spendenidee sowie über den Tor des Géants habe ich zuletzt ausführlich informiert. Was ich, mit einem verständlichen Stirnrunzeln, stets aufs Neue gefragt werde: Wie kann man denn 337 km – übersetzt sind das etwa 8 Marathons mit jeweils rund 3.200 Höhenmetern – am Stück laufen? Zumal im zarten Alter von 68? Dazu heute gerne ein paar Bemerkungen.
Zunächst einmal zehre ich vom Privileg, gesund zu sein, bisher wenig verletzungsanfällig und zudem – wie wohl viele Ultraläufer*innen – mit einem eher überdurchschnittlichen Energielevel ausgestattet zu sein. Eine Menge Erfahrung und – ein MUST – viel Willenskraft ergänzen diesen Mix der Ausdauergrundlagen. Und doch, das sei noch einmal festgehalten, ist ein Scheitern stets möglich.
Die 3 M
Neben dem Material – eine professionelle, dem Anlass angemessene Ausrüstung ist natürlich Pflicht! – sollten drei zentrale Voraussetzungen erfüllt sein, um eine solche Tortur zu überstehen. Ich nenne sie mal die 3 M – Maschine, Müsli und Mindset:
1. Maschine und Motorik
„Du Maschine“, höre ich manchmal nach einem erfolgreichen Ultralauf. Um einen solchen durchzustehen, heißt es natürlich lange genug im Voraus: laufen, laufen, laufen … Ganz ohne Training geht es nicht 😉.
Die Basis aller Extremläufe finden wir „Laufverrückten“ in einer Mischung aus einsamen Trainingsstrecken und zahlreichen Rennen über Langdistanzen. Ich greife inzwischen auf die Früchte aus 177 offiziell gefinishten Marathons und Ultras zurück – bislang Läufe im Bereich von 42,2 bis 171 km. Für die anstehenden mindestens 337 km brauchte es selbstverständlich eine besonders akribische und lange Trainingsphase.
Im November 2025 begann ich mit dem Grundlagentraining und ständiger Intensivierung. Zum Jahresende absolvierte ich mit unserer Mon Devoir Marathon Equipe – so lautet in Anlehnung an die Schule der schwierige Name unserer Laufgruppe –fünf Charity-Marathons zugunsten der Schule. Leider zog ich mir dabei gleich mal einen Muskelfaserriss zu, der mich bis Ende Februar zu etwas mehr Ruhe zwang.
Danach trainierte ich manchmal 7 oder 10 Tage am Stück – beispielsweise jeweils zwei bis drei Stunden, ohne Ruhetage. Um mich physisch auf die täglichen Belastungen einzustellen. Bislang folgten seit März dieses Jahres 13 Marathons und Ultras – darunter zuletzt der Eiger-Ultratrail über 51 km, der Doppelmarathon von Gondo (zweimal über den Simplonpass) sowie zwei intensive Schwarzwald-Ultras. Das machte alleine 4 Marathons/ Ultras in zwei Wochen im August.
Als Höhepunkt finishte ich bereits im Mai den Ultratrail des Chevaliers mit 160 km und mehr als 5.000 Höhenmetern quer durch die Vogesen. Damit wurde die Form, selbstverständlich mit Schwankungen, zunehmend besser und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wuchs.
Jetzt, Ende August, blicke ich nach 10 intensiven Laufmonaten mit 18 offiziellen Rennen über mindestens die Marathon-Distanz auf ca. 3.400 km und deutlich über 80.000 Höhenmeter zurück.
Das sollte hoffentlich reichen!
Was leider so manche Läuferinnen und Läufer vernachlässigen, ist die Stabilisierung der Muskulatur am ganzen Körper sowie das Training der Motorik, der Beweglichkeit oder des Gleichgewichtssinns. Gerade mit zunehmendem Alter und bei diesen extremen Belastungen.
Hier profitiere ich seit vielen Jahren extrem von meinen professionellen Yogalehrerinnen Kyra und Daniela im Iyengar Yoga Freiburg (vielen Dank an dieser Stelle!), dazu von (nicht immer, jetzt aber regelmäßiger) eigener Praxis.
Sehr wertvoll ist auch die Unterstützung meines Top-Physios Maksim Pastorino (P-Health), der mich seit meinem Muskelfaserriss regelmäßig betreut – wenn SC-Spieler und die vom FC Basel ihm genügend Zeit für mich alten Läufer lassen 😉. Auch ihm vielen Dank!
2. Müsli und andere Mahlzeiten
Hier herrschen bei mir einerseits Lustprinzip und Augenmaß vor. Andererseits beobachte ich seit Jahren eine vermutlich belastungsbedingte Verschiebung der Ernährungsgewohnheiten. So ging die Lust auf Fleisch- und Fettverzehr markant zurück, während Müsli, Obst, Gemüse, Fisch – also all das, was gemeinhin als „gesund“ wahrgenommen wird – vermehrt auf dem Speiseplan landeten.
Ganz entscheidend ist die kontinuierliche Zufuhr von Nahrung und Getränken während des Rennens. Hier profitiere ich inzwischen von den vielen Fehlern der Vergangenheit und der daraus gewonnenen Erfahrung. In so manchem, vor allem schnellen Rennen brach ich, gut auf Kurs liegend, jämmerlich ein. Meistens, weil mir einfach nicht mehr nach Essen zumute war.
Ist der Körper aber erst einmal unterversorgt, geht es ganz schnell: Rien ne va plus, der Elan ist raus!
Gerade in diesem Jahr, etwa beim 100-Meiler in den Vogesen, achtete ich penibel darauf, stets kleine Mengen an Essen zu mir zu nehmen. In einem Säckchen, das ich an den Verpflegungsposten (VP) immer wieder auffülle, greife ich unterwegs regelmäßig auf Kekse, Trockenfrüchte, Kuchen und anderes zurück. Ergänzt wird dies durch mitgeführte Riegel, (seltener) Gels oder Nüsse.
Gerade bei Hitze muss auch auf eine ausreichende Salz- und Elektrolytzufuhr geachtet werden – perfekt sind Bouillons oder Suppen, die unterwegs angeboten werden, notfalls auch ab und an Salztabletten. An jedem VP richte ich eine kleine Pause ein und versuche, die angebotenen Speisen bestmöglich hinunterzuzwingen, idealerweise auch zu genießen.
Das regelmäßige Trinken fällt mir hingegen leicht. Wasser, angereichert mit isotonischem Pulver, und sehr gerne – wenn angeboten – alkoholfreies Bier reichen normalerweise aus. Bei Kälte warmer Tee. Nach sehr langen Distanzen hilft auch Cola, die ich im Alltag verschmähe, sehr gut als kleiner Turbo.
Ist man jedoch erst einmal richtig am Limit, muss man versuchen, sich zu all dem zu zwingen. Phasen der Übelkeit kennt jeder Ultraläufer leider auch – gerne verdreht es einen unterwegs mal den Magen. Für Notfälle werde ich spezielle Elektrolyte im Gepäck haben, um danach schnell wieder zu Kräften zu kommen. Auch ein paar Medis – davon nehme ich normal allerdings nichts zu mir.
3. Mindset und Mentalität
Der Kopf entscheidet ALLES!
Dies ist mehr als ein Spruch! Ich würde sogar sagen: Mehr als alles andere entscheidet die innere Haltung, die mentale Stärke, der unbedingte Wille, etwas zu erreichen, über Top oder Flop. Das vielzitierte Mindset also.
Wer sich schon einmal durch die Niederungen negativer Gedankenströme gekämpft und seine Ziele trotzdem erreicht hat, weiß, wovon ich spreche.
Positive Gedanken sind der mentale Sprit des Läufers und der Läuferin. Jede freundliche Geste, jede aufmunternde Anfeuerung (Klassiker und Höhepunkt aller Schmeicheleien: „Mann, Du siehst gut aus!“), Konversationen mit sympathischen Laufkolleg*innen oder VP-Volunteers während des Rennens sind eine echte Hilfe.
Gegen später, wenn die kommunikativen Kräfte analog zu den körperlichen nachzulassen drohen, sind es in erster Linie aufhellende Gedanken über Gegenwärtiges, Vergangenes oder Zukünftiges – etwa die Vorfreude auf die Schwarzwälderkirsch-Bombe und den geschmorten Braten nach dem Lauf oder den saftig-mineralischen Riesling, der zur Feier der Zielankunft mit gutem Trinkfluss serviert wird.
Ich laufe in der Regel sehr achtsam und schaue fast präventiv, dass negative Gedanken gar nicht erst aufkommen – meistens gelingt es mir, die Dinge positiv zu sehen oder entsprechend umzudeuten. Achtsamkeit ist nebenbei auch die beste Stolper-Prophylaxe!
Manchmal halte ich regelrecht Ausschau nach etwas „Schönem“ und warte geduldig, bis ich es gefunden habe. Ein Lauf wie der Tor bietet natürlich so unglaublich schöne und spektakuläre Momente, dass die Gedanken oft auch von ganz alleine „in die richtige Richtung ziehen“! Und ich sage mir nach 10 Monaten der intensiven Vorbereitung mit wachsender Überzeugung: ich schaffe das auch!!
Wer noch spenden möchte, darf gerne unsere Seite anklicken:
www.runfortogo.de/albrecht-337km/
Während des Laufs könnt Ihr mich auch verfolgen:
- Auf der Webseite oben – v. a. unter Insta (dazu braucht Ihr keinen eigenen Instagram-Zugang!). Mein Super Social Media Manager Bene und der kongeniale Webmaster Matthias werden immer wieder Infos und Bilder von mir dort aufschalten.
- Tracking – Startnummer 1305:
live.torxtrail.com oder direkt zu mir:
https://rankings.torxtrail.com/#/race/26TDGRACE/189655 - Liveberichte stelle ich immer wieder, solange bei Kräften, unterwegs auf meinen WhatsApp-Status. Meine Nummer dafür, nur für Euch: +49 1577 970 2883.
Bitte versteht, dass ich unterwegs keine Antworten geben kann.
Mit sportlichen Grüßen Albrecht
Ab Anfang August berichte ich hier regelmäßig über meine Vorbereitungen für den Tor des Géants: über Training, Ausrüstung, Testläufe, Höhenmeter, Rückschläge und alles, was auf dem Weg zu diesem außergewöhnlichen Abenteuer dazugehört.
Je näher der Start rückt, desto häufiger gibt es Neuigkeiten. Während des Rennens versuche ich – soweit es die Bedingungen zulassen – aktuelle Fotos, kurze Videos und Eindrücke direkt von der Strecke zu veröffentlichen.
Wer möchte, kann mich dabei auch über Instagram und WhatsApp begleiten.
Ich freue mich, wenn Ihr regelmäßig vorbeischaut und mich auf dem Weg zum Tor des Géants begleitet.
25.8.2026
Noch 19 Tage: Der Tor des Géants – ein Rennen durch die Welt der Viertausender
In weniger als drei Wochen fällt der Startschuss für meinen Lauffreund Hennes und mich. Der Tor des Géants zählt zu den extremsten Ultratrail-Rennen Europas. Seit der Premiere im Jahr 2010 führt die Strecke durch die spektakuläre Bergwelt des Aostatals – vorbei an den vier berühmten Viertausendern Mont Blanc, Gran Paradiso, Monte Rosa und Matterhorn.
Der frankoprovenzalische Name bedeutet treffend „Tour der Riesen“. Wer dieses Rennen erfolgreich beenden will, braucht nicht nur eine ausgezeichnete körperliche Verfassung, sondern auch mentale Stärke, Erfahrung im Hochgebirge und die Fähigkeit, über viele Tage hinweg vernünftige Entscheidungen zu treffen. Dass dies nicht allen gelingt, zeigen die Zahlen: 2025 erreichten 744 der 1.142 gestarteten Läuferinnen und Läufer das Ziel (65%). Bei deutlich schlechterem Wetter retteten sich im Jahr davor weniger als die Hälfte (48%) der Starter/innen über die Ziellinie. Insgesamt starten in allen fünf Wettbewerben gut 2.500 Laufbegeisterte. Bemerkenswert ist, dass über 3.000 ehrenamtliche Helfer/innen uns an der Strecke unterstützen werden – das ganze Aostatal ist auf den Beinen!
337 Kilometer – eine einzige gewaltige Etappe
Das Besondere am Tor des Géants ist sein Format. Die 337 Kilometer bilden eine einzige, ununterbrochene Etappe. Für die gesamte Strecke stehen maximal 150 Stunden zur Verfügung – von Sonntagmittag (13. September) bis Samstagabend (19. September). Dazwischen liegen mehr als 26.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg sowie 25 Bergpässe mit über 2.000 Metern – 16 davon sind höher als 2.500 Meter. Man läuft auf bis zu 3.200 Metern Höhe in hochalpinem, technisch anspruchsvollem Gelände. Manche Quellen berichten von 350 Kilometern und gar 30.000 Höhenmetern!
Die Strecke ist wohl gut markiert und zusätzlich auf meiner Laufuhr gespeichert. Dennoch verlangt jeder Abschnitt höchste Konzentration. Das Wetter kann innerhalb weniger Stunden von spätsommerlicher Hitze zu winterlichen Bedingungen wechseln. Mitte September ist auf den höchsten Pässen stets auch Schneefall möglich. Deshalb ist umfangreiche Pflichtausrüstung vorgeschrieben – von Sonnenschutz über Notfallausrüstung bis hin zu Steigeisen. Die Liste erscheint endlos lange!
Unterwegs im einsamen Hochgebirge
Etwa alle zehn Kilometer befinden sich Verpflegungsstationen. Das klingt zunächst komfortabel. Im Hochgebirge braucht man für zehn Kilometer jedoch mitunter vier oder sogar fünf Stunden. Zumal beim meist steilen Anstieg angesichts dieser Distanz gegangen wird – in der Regel mit Stöcken. Deshalb müssen alle Läufer/innen jederzeit genügend Getränke und Verpflegung im Rucksack mitführen. Regelmäßiges Essen und Trinken, gerade auch, wenn einem gar nicht danach ist, entscheidet oft darüber, ob ein Rennen erfolgreich beendet werden kann.
Wann schläfst du dort eigentlich?
Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt werden! Die Antwort ist einfach und kompliziert zugleich. Schlaf ist unverzichtbar – aber Zeit dafür gibt es nur wenig. Alle Teilnehmenden sind „frei“, sich ihre Schlafzeiten selbst zu nehmen. Aber das Zeitbudget von 150 Stunden, um 337 km in schwierigstem Gelände zurückzulegen, begrenzt diese Freiheit doch arg. Während eines Rennens ist man vor allem anfangs voller Adrenalin. Später werden kurze Schlafpausen immer wichtiger, um Konzentration und Orientierung zu behalten. Wer zu lange wach bleibt, riskiert Halluzinationen oder folgenschwere Fehler. Geschlafen werden darf an mehreren Hütten und Stationen, allerdings laut Reglement jeweils höchstens zwei Stunden. Gleichzeitig tickt die Uhr ständig weiter: An zahlreichen Kontrollpunkten müssen vorgegebene Cut-off-Zeiten eingehalten werden.
Die Life Bases – Orte zum Auftanken
Alle 55 bis 60 Kilometer erreicht man eine der sechs Life Bases. Dort wartet der persönliche Kleidersack mit Wechselkleidung und Ersatzmaterial. Hier kann man duschen, warm essen, die Stirnlampen, Uhr und das Handy laden, kurz schlafen und die Ausrüstung an die Bedingungen des nächsten Streckenabschnitts anpassen.
Für mich ist vieles Neuland. Meine bisher längsten Rennen führten über maximal 171 Kilometer und dauerten knapp 30 Stunden – bislang ohne Schlaf. Der Tor des Géants stellt deshalb noch einmal eine völlig neue Dimension dar.
Fazit
Gerade deshalb aber übt dieses verrückte, expeditionsartige Rennen auf mich eine ganz besondere Faszination aus. Und ich traue es mir inzwischen auch wirklich zu, habe mich über Monate körperlich und mental darauf vorbereitet! Kommt aber auch nur ein leichter Infekt oder ein heftiger Sturz im Gelände dazwischen, wird es normalerweise nicht funktionieren. Entscheidend ist, über fünf bis sechs Tage hinweg Schlaf, Ernährung, Tempo und Regeneration klug zu steuern. Deshalb heißt es für Euch nun bald, Daumen drücken !
Spenden und weitere Infos…
findet Ihr auf unserer Heimatseite www.runfortogo.de/albrecht-337km .
Jede Spende für unsere Schule und die Stipendien in Togo ist extrem willkommen und hilft den Menschen dort! Natürlich dürft Ihr gerne abwarten, wie ich mich in den Bergen schlage.
Ein wunderschöner, trauriger und wirklich sehenswerter Film, der gerade auf Netflix läuft, zeigt Euch die bittere Realität in Afrika – hier in Malawi – und was es bedeutet, wenn das Schulgeld für die Kids nicht aufgebracht werden kann: „Der Junge, der den Wind einfing“: www.netflix.com/title/80200047 . Vor allem zeigt es, WIE wichtig Bildung für Menschen ist!
Ganz herzliche Grüße
Albrecht
